Atelierbrief „Vom Menschsein“ August 2026
„Ich folge Spuren und vertraue meinen Bildern. Manchmal wissen meine Bilder früher als ich selbst, welche Fragen mich beschäftigen.“
Liebe Leserinnen und Leser,
ich freue mich sehr, Sie heute zum ersten Mal aus meinem Atelier zu begrüßen.
Viele Jahre habe ich Bilder entstehen lassen und sie anschließend ausgestellt. Nur selten aber habe ich erzählt, was mich während des Malens bewegt oder welche Fragen mich dabei begleiten.
Das möchte ich künftig ändern, denn ich möchte Sie nicht nur zu meinen Ausstellungen einladen. Ich möchte Sie von Zeit zu Zeit mitnehmen auf den Weg, auf dem meine Bilder entstehen.
Oft beginnt alles mit einer Spur.
Mit einer Linie.
Mit einer Farbe.
Mit einer Wahrnehmung.
Noch ohne zu wissen, wohin sie führen wird.
Erst im Arbeiten zeigen sich Zusammenhänge, die ich vorher selbst nicht kannte.
Im Rückblick erkenne ich, dass mich eine Frage seit vielen Jahren begleitet:
„Was bedeutet es, Mensch zu sein?“
Ich freue mich, wenn Sie mich auf diesem Weg begleiten.
Herzlich
Linde Kauert
Ausstellung „Innere Räume unter äußerem Druck“
Am 12. September 2026 um 18.00 Uhr wird in der Nagelkreuzkapelle der Garnisonkirche Potsdam meine Ausstellung „Innere Räume unter äußerem Druck“ eröffnet.
Gezeigt werden Arbeiten meiner Werkgruppe, die sich mit der Frage beschäftigt, wie Menschen unter äußeren Bedingungen ihren eigenen inneren Raum bewahren, verlieren oder neu entdecken.
Ich freue mich sehr darauf, Sie dort persönlich begrüßen zu dürfen. Die vollständige Einladung mit allen Informationen können Sie hier als PDF ansehen.
Aus dem Atelier „Verwoben im Netz der Generationen“
Diese Werkgruppe begleitet mich seit fast zwei Jahrzehnten. Lange bevor ich die Zusammenhänge in Worte fassen konnte, tauchten sie bereits in meinen Bildern auf. Rückblickend erkenne ich, dass die Bilder oft früher wussten als ich selbst, welche Fragen mich beschäftigten.
Die Radierung „Kleeblatt“ ist die jüngste Arbeit dieser Werkgruppe. Sie richtet den Blick auf die sichtbaren und unsichtbaren Verbindungen zwischen Generationen. Heute verstehe ich diese Arbeiten als Teil einer fortwährenden künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Menschsein – mit Herkunft, Erinnerung und den Beziehungen, die uns prägen und miteinander verbinden.
Vier Gesichter sind eng miteinander verwoben. Keines steht ganz für sich. Die roten Formen umschließen die Figuren wie ein gemeinsamer Raum oder ein gemeinsames Schicksal. Die Blicke gehen in unterschiedliche Richtungen – niemand schaut den Betrachter direkt an. Dadurch entsteht der Eindruck, dass jede Figur ihrer eigenen inneren Spur folgt und dennoch mit den anderen verbunden bleibt.
Diese Grafik erzählt nicht. Sie öffnet einen Bildraum.
Ich freue mich, wenn wir auf diese Weise miteinander in Verbindung bleiben.
Bis zum nächsten Atelierbrief.
Herzlich
Linde Kauert




